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Katharina
Urbanek
Straßenland
Straßenland. Lebenswelten am Südrand Wiens
Eine neue Straße verbindet seit April 2006 Wiens am dichtesten bebaute Stadtausfahrt an der Südautobahn mit der Flughafen-Raffinerie-Achse der Ostautobahn – umgeben von einem etwa tausend Meter breiten Korridor, der heute wie ein Leerzeichen für künftige Entwicklungen den Platz freihält. Bodenspekulationen und großangelegte Investitionen bestimmen die Entwicklungen am Stadtrand - insbesondere in der Nähe von Infrastrukturprojekten. Sie werden in der Arbeit als Realität akzeptiert, gleichzeitig begibt sie sich auf die Suche nach Möglichkeiten, durch das Zusammenwirken verschiedener lokaler Akteure im Spiel der Kräfte mitzuwirken.
Zudem soll im Rahmen der Arbeit das Potenzial punktueller Interventionen für die Bildung eines Ortes ausgeforscht werden. Offensichtliche Divergenzen zwischen der Autobahn und ihrem Ort - wie etwa Identitäten, Geschwindigkeiten, Flächenmärkte, handelnde AkteurInnen - werden dabei als Spannungen begriffen, deren Potenzial es zu entwickeln gilt. Kein romantisches Konzept, das die wahrscheinliche Entwicklung eines Speckgürtels ausblendet, soll das Ergebnis der Arbeit sein, vielmehr werden auch die Programme der Straße auf ihre Monofunktionalität und einseitige Ausrichtung untersucht. Die vorgeschlagenen Interventionen des Projekts verstehen sich nicht als Endprodukt der vorangegangenen Untersuchungen, sondern vielmehr als deren Fortsetzung, als Werkzeug, die im Straßenland wirksamen Kräfte zu provozieren, zu enttarnen, zu aktivieren. Das Projekt gliedert sich in zwei Teile: Die Taktische Strategie fordert eine finanzielle Umverteilung vom Individuum zur Gemeinschaft, schlägt die - auf einer politischen Entscheidung basierende - Einführung einer neuen regionalen Handlungsebene vor und beschreibt, wie auf diese Weise die Akteure des Südrandes aktiviert und vernetzt werden. Den zweiten Teil bilden 11 Freundschaftsprojekte an der S1, die auf dieser Ebene koordiniert werden. Anhand eines Kataloges von Taktiken zeigen sie - in Anlehnung an den von Michel de Certeau geprägten Begriff - räumlich wie programmatisch im lokalen Maßstab wirksame Herangehensweisen zur Aneignung der Straße durch die Bewohner des Südrandes wie auch die Autofahrer des Straßenlandes.
„Eine Utopie: Man sollte an den Peripherien solche Voraussetzungen für das Imaginäre schaffen, wie sie in der realen Sozialität der Orte immer bestanden haben.“ Marc Augé. Orte und Nicht-Orte der Stadt.
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