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Christina
Linortner
a House that moves
Our house is a House that moves (just like the ocean)* - Techniques of dwelling in Yorubaland and Vienna
Die Arbeit OUR HOUSE IS A HOUSE THAT MOVES (- JUST LIKE THE OCEAN)* ist eine transdisziplinäre und transkulturelle Studie, die den Zusammenhang zwischen Wohnkultur und Prozessen kultureller Durchmischung angesichts verstärkter Migrationsströme untersucht.
Dabei wirft die Gegenüberstellung des afrobrasiliansichen Stils in Südwestnigeria als Beispiel einer mobilen und dynamischen Architektur und der sozialen Wohnbauten in Wien Fragen nach sozialer, politischer und nicht zuletzt räumlicher Anerkennung hinsichtlich universalistischer Planungsprinzipien auf.
Kultureller Austausch findet - wenn auch unter hegemonialen Machtverhältnissen - zu allen Zeiten und an (fast) allen Orten statt, das heisst, keine Kultur kann den Anspruch erheben, eine Tradition frei von externen Einflüssen darzustellen.
Der afro-brasilianische Stil ist das Produkt einer stetig voranschreitenden Kreolisierung. Er wurde um 1840 von befreiten Yoruba-Sklaven aus Brasilien in Westafrika eingeführt, wo er sich mit der Wohnkultur der lokalen Bevölkerung vermischte und von Lagos aus ins Hinterland verbreitete. Heute sind etwa 70% der Wohngebäude in Yorubaland Abwandlungen dieses Stils.
Die afro-brasilianischen Häuser sind ein Beispiel dafür, in welcher Weise menschliche und ereignishafte Erfahrungen und Erinnerungen in der gebauten Umwelt enthalten sind. Es sind hybridisierte Gebäude, die durch die Durchmischung mehrerer Kulturen unter ständiger Ausverhandlung von Differenz immer neue transkulturelle Formen entstehen lassen. Im Gegensatz zu dieser dynamischen Typologie steht die Wohnkultur, die den Wiener sozialen Wohnbauten inneliegt, und bis heute größtenteils auf Standards beruht, die in den 1930er Jahren geschaffen wurden. Damals versuchte man durch Verwissenschaftlichung und Objektivierung Wohngrundrisse zu funktionalisieren. Eines der besten Beispiele dafür ist Ernst Neufert’s Bauentwurfslehre von 1936. Alle Lebensbereiche sind in Dimensionen und Abständen genau erfasst. In detaillierten Zeichnungen bildet Neufert die geläufige Lebenskultur eines bourgoisen, männlichen Individuums der damaligen Zeit nach und erhebt sie zur einer allgemeingültigen Wohn- und Baukultur, die im gemeinnützigen Wohnbau bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren hat.
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