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Ulla
Fussenegger
Marion
Gruber
Almere
Almere
“Die holländische Stadtplanung hat viele Fehler gemacht. Vor dreißig Jahren wurden im sozialen Wohnungsbau Menschen in Hochhäuser eingepfercht, und später, als man die Probleme erkannte, wurden die Häuser in die Luft gesprengt.
Heute sind die Fehler nicht minder gravierend. Man meint das Ei des Kolumbus in der angeblichen Vitalität suburbaner Siedlungen gefunden zu haben. Doch diese Suburbs haben weder eine städtische Dichte noch eine ländliche Atmosphäre, sie sind ein unsinniges Zwischending.”

Auszug aus einem Interview der NZZ mit Adriaan Geuze/ West 8
Am Anfang stand eine Geschichte.

Annika, eine zukünftige Studentin in Amsterdam, sucht eine günstige Wohnung in Almere. Nach ausgedehnten Spaziergängen durch die Stadt wird ihr klar hier nichts Geeignetes zu finden.
Was ihr übrig bleiben würde ist das Wohnen im Einfamilienhaus...
In Almere leben ca. 164.000 Einwohner, 75% davon in Einfamilienhäusern.
Das Stadtbild prägt ein eindimensionaler, immer wiederkehrender Rhythmus an Strassen, Vorgärten und Häuserzeilen. Dieses starre System lässt kaum Platz für individuelle Wohnvorstellungen sowie deren Änderungen im Lauf eines Lebens.
Mit dem Projekt wird versucht, unter Berücksichtigung wichtiger städtebaulicher Aspekte [geeignete Dichte (25 WE/ha), notwendige Infrastruktur, attraktive Erschließung, private Rückzugsräume,..] einen Leitfaden zu entwickeln, der es ermöglichen sollte, ein Versuchsfeld [¼ ha] mit einer Siedlung zu bebauen, die Annikas Vorstellungen entspricht.
Um eine optimale Anpassung an die veränderten Lebensgewohnheiten zu ermöglichen, werden 25 typisch holländische Häuser in Einzelräume „gesprengt“ und mittels systematischer Erschließung auf dem Versuchsfeld platziert, so dass flexible Wohnungstypen entstehen, die durch zuschließen oder abdocken von Zimmern wachsen bzw. schrumpfen können. Die Räume, die nicht als Wohnraum genutzt werden, stehen als Extrazimmer zur Verfügung. Das Extrazimmer ist erweiterter Wohnraum im Verband oder andernorts, ist Raum für Gemeinschaft und/oder Raum für Infrastruktur.
Durch die dichte Struktur mit privaten Rückzugsbereichen und öffentlichen Freiräumen auf unterschiedlichen Niveaus wird eine Wohnlandschaft geschaffen, die sich von Almeres großflächiger Einfamilienhausbebauung abhebt.
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